droites nordwand – ginat

vom stefan
Pack die Badehose ein – eine Fast-Sommer-Begehung der Ginat an der Droites-Nordwand

Seit Monaten schon steht die Ginat an der Droites-Nordwand ziemlich gut da und ich komm nicht hin. Irgendwas macht mir immer einen Strich durch die Rechnung, sei es schlechtes Wetter, Krankheit oder einfach keinen Partner. Aber wie halt schlechte Dinge meist auch Ihre guten Seiten haben, so hat das schlechte Wetter dieses Frühjahr die Eishältnisse in Chamonix in manchen Routen konserviert. Eben auch in der Ginat.
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So kamen der Stef Biggel und ich zu einer seltenen Fast-Sommer-Begehung der Ginat über Fronleichnam. Doch der Reihe nach. Während der 12-stündigen Anreise im Dauerregen konnte ich mir kaum vorstellen, dass irgendwo in den Alpen irgendwas außer Wellnessen möglich sein könnte. Doch kurz vor Chamonix machte plötzlich die Wolkendecke auf und der Montblanc begrüßte uns schneeweiß. Wow, liegt da noch viel Schnee rum in der Region! Verdammt, das bedeutet, dass wir doch noch an diesem Tag aufsteigen müssen und den Tag nicht mit einem Bier im Tal ausklingen lassen können.
Aufstieg zur Argentiere-Hütte bedeutet in diesem Fall nicht der kurze Abstieg von der Grands-Montets-Seilbahn, sondern ehrliche fünf Stunden vom Tal aus: die Seilbahn hat gerade Revision. Was jedoch den Vorteil hat, dass wir die einzigen Ginat-Aspiranten sind. Naja, die anderen haben wohl keine Lust mehr auf Eisbeile-Schwingen.
Der nächtliche Zustieg war zunächst recht mühselig, da wir bei jeden zweiten Schritt einbrachen. Hm, irgendwie doch recht warm die Nacht!? Bald wurde es jedoch besser, wir brachen jeden Schritt ein. Aber sobald wir in der Wand waren wurde es gut zu gehen. So hatten wir das untere Eisfeld recht schnell hinter uns gebracht. Auch die oberen Seillängen wiesen noch recht gute Verhältnisse auf. So mussten wir nur ein paar Mal in den Fels ausweichen. Wenn nur diese Hitze nicht wäre! Puh, die macht mir echt zu schaffen. Irgendwie absurd: da ist man in einer der bekanntesten Nordwände der Alpen und klettert fast die gesamte Route in der Sonne. Aber die Route ist genau so ausgerichtet, dass sie im Juni immer gerade noch Sonne abbekommt. Puh, jetzt in einer steinschlägigen Wand…
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In der Breche angekommen, suchten wir uns einen Biwakplatz, welchen wir auch gleich oberhalb der ersten Abeilstelle am Grat fanden. Die Idee, erst am nächsten Tag in der Früh durch die Südrinne abzuseilen bescherte uns nicht nur einen steinschlagsicheren Abstieg, sondern auch einen wunderbaren Sonnenunter- und -aufgang: auf der einen Seite die Walliser Alpen und auf der anderen Seite die Jorasses und der Mont Blanc.
Trotzdem, dass wir noch gute Verhältnisse vorfanden, dürfte unsere Begehung eine der letzten dieser Saison gewesen sein: einige Eisschläuche haben sich schon sehr stark in verflüssigte Materie umgesetzt. Eigentlich gemein, dann diesen Bericht noch zu schreiben; aber vielleicht macht er ja Lust auf die nächste Saison. Coutourier-Couloir wurde von Einigen mit Ski befahren, die Courtes-NO sollte auch ganz gut gehen, im Gegensatz zur Schweizerführe. Die Bettembourg an der Verte schaut von unten ebenso wie die Bourges-Mizraghi gut aus. Auch das Leichentuch hat glauben wir eine Begehung bekommen, wenngleich es unten recht dünn aussieht. Grand Pilier d´Angle schaut von der Ferne grauenhaft aus.

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