Cochamo – Chile

von stefan brunner
Neutour am Prophetas im Cochamó Valley “The Prophecy” (7b, 415m) von Gerda Rafetseder und Stefan Brunner

Um uns an den Fels in Cochamo zu gewöhnen klettern wir eine nicht ganz 900 Meter lange Route am Cerro La Junta. Da sich die Kletterei schwierig gestaltet und die letzte Seillänge schlichtweg nicht existiert, müssen wir im Abstieg ungeplant biwakieren. Von unserem unbequemen Biwakplatz aus erspähen wir früh morgens eine Linie. Die Linie befindet sich auf der anderen Talseite und ist durch ein Risssystem klar vorgegeben. An nur einer Stelle sieht der Fels „unkletterbar“ aus.
Erschöpft steigen wir ab zum Campingplatz. Der Abstieg führt zuerst über steile Reibungsplatten, danach geht es in den Dschungel. Im Dschungel ist der Weg schmutzig, schmierig und steil. Es ist einmal so steil das man ein fixiertes Seil verwenden muss. Am Campingplatz angekommen, erschöpft und müde, glauben Gerda und ich nicht dass wir diesen Weg mit schwerem Haul Bag aufsteigen wollen und werden.
Cochamo 2010
Jedoch am nächsten Tag sind wir schon unterwegs, mit schwerem Gepäck, auf dem oben beschriebenen Weg. Nach drei Stunden sind wir an unserem Camp am Wandfuß angekommen. Wir beginnen sofort mit den Vorbereitungen für die Route. An diesem Tag klettern wir noch die ersten drei Seillängen bis zum ersten Band. Die Kletterei ist leicht, nicht ganz senkrecht und der Riss ist verschlossen. Das heißt: Es ist keine Absicherung möglich. Aufgrund der schlechten Absicherung klettere ich technisch, meist an Beaks. Ein paar Hooks sind auch nötig. Haken und Friends können im unteren Teil nur wenig verwendet werden. Die Verwendung von Klemmkeilen in der ganzen Tour beschränkt sich auf eine Hand voll.
Nachdem der Stand am Band eingerichtet ist, Gerda hat einen 10mm Bolt mit der Hand gebohrt, geht es weiter. Vom Band weg ist die technische Kletterei schwierig. Es beginnt mit drei Hooks in einer Reihe, danach folgen mehrere Beaks. Dann endlich kann ich einen Camalot Größe Eins versenken. Die Seillänge geht in dieser Gangart weiter, bis nur durch einen Pendelquergang der nächste Riss erreicht werden kann. Wie sich herausstellt, ist diese Seillänge die Crux in technischer wie auch in Freier Kletterei.
Da uns das Wetter immer wieder einen Streich spielt, sollte es einige Tage dauern bis wir endlich am Ausstieg stehen dürfen. Überglücklich genießen wir den Ausblick über das Cochamo Valley, an diesem wunderschönen Tag. Unsere Gipfelrast bleibt nicht unbemerkt. Zwei riesengroße Vögel, Condore mit einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern haben begonnen um uns zu kreisen.
Wir setzen unseren Abstieg fort. Während des Abseilens richten wir die Route teilweise mit Bohrhaken ein, um sie frei klettern zu können. Jedoch 10 Bolt´s vor Vollendung der Bohrarbeiten gibt sich der Akku der Bohrmaschine auf. Das heißt wir müssen ins Tal absteigen um den Akku aufzuladen.
Gesagt getan.

Cochamo 2010

Im Base Camp erholen wir uns von den Strapazen der letzten Tage während der Akku geladen wird. Am Tag darauf wollen wir wieder aufsteigen um die restlichen Bohrhaken zu setzten. Wenn die Route fertig eingerichtet ist zum Freiklettern, wollen Gerda und ich diese von unten bis zum Top in einem Zug durchsteigen.
Sämtliche Einzelzüge in der Route sind wir nun schon geklettert, nur ein kurzer Swing in der 7b Seillänge ist noch nicht frei geklettert. Doch dieser kurze Seilpendler ist eine Attraktion und kein Schönheitsfehler. Am nächsten Tag regnet es heftig und wir können nur abwarten. Der Regen bleibt hartnäckig, es regnet sieben Tage durch. Am siebten Tag haben wir die Nase voll.
Gerda und ich beschließen aufzusteigen. Der Aufstieg gestaltet sich teilweise sehr schwierig. Dreckiger Dschungel, schmierige steile Reibungsplatten und der angeschwollene Gebirgsbach kosten uns einiges an Zeit und Kraft. Nach ca. drei Stunden stehen wir nass aber glücklich am Einstieg. Es fließen kleine Sturzbäche über die Wand. Wir müssen feststellen dass an Freiklettern unter solchen Bedingungen nicht zu denken ist. Deshalb steige nur ich an den fixierten Seilen auf um das Material, Seile, Friends usw. aus der Wand zu holen.
Bei der Gelegenheit bohre ich die letzten noch fehlenden Bohrhaken, damit die Route auch ohne Todesmut frei zu Klettern ist. Während der ganzen Aktion am Fels regnet es in Strömen und ich bin durch und durch nass. Wieder am Boden bin ich zwar nass, aber glücklich. Glücklich und erleichtert. Unsere Route ist fertig, es fehlt nur mehr die durchgehende frei Begehung.
Da der Regen nicht aufhören will, steigen wir ab ins Tal zu unserem Zelt. Im Base Camp checken wir den Wetterbericht, es bleibt schlecht. Es regnet nun schon acht Tage und es ist kein Ende in Sicht. Da unser Urlaub sich langsam aber sicher dem Ende neigt beschließen wir, dass wir abreisen werden.

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