3 Tage auf dem Schleudersitz

bat-climb.jpgValle del Orco/Caporal SW-Wand
Die vermutlich dritte Wiederholung der Technoroute “B.A.T.” am Caporal im Valle del Orco.
von Stefan Lieb

Yosemite – Sonne, goldgelber Granit, Beaks, Copperheads und jede Menge Schufterei. Dazu ein Kletterstil, der perfekt zu mir passt: wenig freiklettern, dafür sehr langsam und mit extrem viel Gepäck. Wir haben so was ähnliches auch in den Alpen gefunden, wenn auch in „Miniaturausgabe: das Valle del Orco. BAT1
Auf der Suche nach modernen Technorouten in den Alpen sind wir auf Valerio Folcos Homepage auf die Technoroute „B.A.T.“ (was soviel heißt wie „Basically absurd Technology“, ein Spruch von Warren Harding) am Caporal gestoßen. Das klang doch richtig einladend für den Gregor Pribernig und mich, zumal wir uns wahrscheinlich laut Valerio noch die dritte Wiederholung (???) sichern könnten. Also das ganze Kletterkammerl leergeräumt und ab ins Valle del Orco gleich südlich vom Gran Paradiso. BAT13
Am ersten Tag erkunden wir mal den Einstieg der Tour: er ist markiert durch einen einsamen Rivet in vier Meter Höhe, und davor und danach nur allerfeinste Rissspuren; so fein, dass auf 12 Meter vom Boden weg sicher kein normaler Haken zu schlagen ist. Jetzt wissen wir, warum in der Materialliste der Tour 40 Copperheads aufgelistet waren. Und wir wissen, was A2“R“ bedeutet, nämlich Stürzen verboten.
Beim Packen bin ich guter Dinge, denn ich bin mir sicher, dass ich beim Losen um die erste Länge gewinnen werde und der Gregor vorsteigen muss. Pustekuchen, es trifft mich. Ziemlich nervös starte ich rein in die Länge, der Satz auf Valerios Homepage über „gute Copperhead-Placements in der ersten Länge“ kommt mir vor wie ein Hohn. Irgendwie schließt sich das doch aus, oder? Zwischendrin rutschen mir Schimpfwörter aus dem Mund, von denen ich nicht mal gewusst habe, dass ich sie kenne, aber das muss wohl der Grund gewesen sein, warum ich den Stand ohne Sturz erreiche. Das soll A2 gewesen sein? Der Gregor macht es in der nächsten Länge (A3) besser, allerdings wird es in der Mitte der Länge nach drei Stunden schön langsam dämmrig. Also Seil an zwei guten (???) Rivets fixieren, abseilen und im VW-Bus noch mal den Luxus genießen.
Wenn der Gregor beim Jumaren am nächsten Morgen gewusst hätte, wie kurz die Rivets im Fels sind, wäre er wohl nicht so entspannt auf den beiden Rivets am fixierten Seil hinaufgeturnt. Wie dem auch sei, er klettert die Länge ohne Zwischenfälle in weiteren drei Stunden zu Ende.BAT12
Dafür reiße ich gleich oberhalb des Standes in der nächsten Länge (A3) einen dieser Rivets aus, was unser Vertrauen nicht gerade stärkt: bis dahin hatten wir die Rivets zwischen all den Beaks und Copperheads immer als Art Inseln der Sicherheit angesehen, dabei sind diese Schrauben gerade mal einen Zentimeter in den Fels geschlagen. Irgendwann am Abend erreiche ich dann doch den nächsten Stand und wir schlagen unsere Portaledge auf. 70 Klettermeter am Tag, da ist ja Schachspielen schneller und weitaus entspannender.
Der nächste Tag bringt noch zwei A2-Längen, von denen die erste auf 35 Metern nichts anderes als Rivets, Hooks und Copperheads aufweist. Es ist unglaublich, wie wenig Keile und Friends in dieser Route unterzubringen sind! In der letzten Länge liege ich nach einem Sturz aus eineinhalb Metern wie ein Käfer auf dem Rücken am Ledge, dann sind wir aber doch draußen. Drei Tage für 200 Klettermeter, das ist neuer persönlicher Rekord für uns!
Drei Tage zeitweise kurz davor, das Handtuch zu werfen – und nun doch oben angekommen. Für uns ganz sicher das Highlight unserer Technokletter-Laufbahn. Gratulation Valerio zu dieser beeindruckenden Linie!
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