Verschwörung der Idioten

von jo friedl
Hochschwab/ Berglandspitz

idiot.jpg

Letzte Abseilfahrt, schon fast ins Dunkle. Ich erreiche den Boden, ziehe die Seile ab, packe schnell zusammen. Ich bin den ganzen Tag in den Seilen gehangen und habe an der Tour weitergemacht. Die Stirnlampe kann ich nicht finden, schnell alles in den Rucksack gepackt und schnell zum Abstieg. Der Zustieg zum Berglandspitz ist tagsüber leicht zu finden, ein gemütliches Waldwegerl, das von einem markierten Wanderweg abzweigt. Ich bin allerdings von oben gekommen, bin über die Abseilschlucht auf den Spitz hinauf und kann mich nur mehr ungenau an den Abstieg erinnern. Da war doch noch diese Querung? Sch…! Wo genau bin ich eigentlich?


image012.jpg

Ein paar Jahre später sind wir wieder in der Tour. Zu viert steigen wir ein, Lukas und ich zuerst, Karl und Chri hinter uns. Die zwei sind gerade aus den Dolomiten gekommen, nicht unbedingt freiwillig, denn Karls Zylinderkopfdichtung hat den Geist aufgegeben. Diesen Umstand haben die beiden anständig begossen und das Kopfweh klettert heute mit. Zuerst läuft alles ziemlich gemütlich, die Seillängen sind nicht besonders schwer, in der ersten 8er Länge bekomme ich das Zittern, die spöttischen Kommentare vom Stand unter mir geben die nötige Motivation und schon stehen wir unter der Schlüssellänge. Da ist erst einmal Schluss mit lustig, Lukas zieht die Seillänge zwar souverän hinauf, der Rest hängt im Seil und flucht. Nach ein paar Hängern bin ich beim Stand, und muss gleich noch mal hinunter um Karl ein Seil zuzuwerfen.
Am Stand kommt es dann zu einer kurzen Diskussion, abseilen oder nicht? Chri hat keine Lust mehr, dafür Kopfweh und wenig Lust so weiterzuklettern. Trotzdem klettert er motiviert in die letzte schwere Länge, eigentlich die beste der ganzen Tour. Recht anhaltend geht es dahin, und Chri kämpft, bis es ihn sanft ins Seil haut. Das Ergebnis sind gute Fotos, die die Tiefe und die Ausgesetztheit der letzten Längen im Abendlicht einfangen. Der Tag endet bei Bier und Zirbenschnaps auf der Hoanzlalm, dem Pflichtprogramm nach einer Tour am Berglandspitz.

Es ist so finster, dass ich kaum die Bäume sehe, in jeden zweiten renne ich – unter lautem fluchen – hinein. Endlich finde ich die Querung, allerdings sehe ich kaum etwas, ich bewege mich nur mehr auf allen Vieren. Der letzte Hang wird am Hintern absolviert, auch die niedrigen Sträucher können mich, nachdem ich motiviert in sie hineingelaufen bin, nicht mehr aufhalten. Ich erreiche die Forststraße, Über den Scheidecksattel und bin in wenigen Minuten bei der Hoanzlalm.


image021.jpg


fotos.jpg

topo.jpg

flugmeter.jpg