alles porno oder was?

von stefan lieb

Ich stehe am Stand und warte. Warte, dass sich das Seil endlich wieder bewegt.

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Was tut der Jo eigentlich so lange da oben? Sieht doch eigentlich ganz einfach aus. Und überhaupt, warum ist er eigentlich so weit nach rechts geklettert? Was, jetzt zieht er schon wieder die Bohrmaschine rauf? Der letzte Bolt ist doch erst knapp unter ihm.

Also noch mal schnell eine laute Bemerkung, ob nicht doch noch ein bombensicherer Minihaken irgendwo Platz hat. „Nein!!“ kommt es genervt zurück. Und schon rattert die Bohrmaschine, was für ein Schmerz in den Ohren!
Aus den gefühlten zwei Metern zwischen den Bolts sind dann doch einige mehr geworden. Jedenfalls so viel, dass ich bei der Rotpunktbegehung einige Wochen später gerne dem Jo den Vortritt bei seiner Länge lasse. Wie hat der Hund beim Einbohren das nur gemacht?
Wie dem auch sei, die nächste Länge gehört mir. Elegant schlängle ich mich mit meinen Trittleitern zwischen unüberwindbaren Platten empor, finde immer wieder ein Hook-Loch zum Bohren. Was für ein romantisches Geräusch doch so eine Bohrmaschine hat! Ist mir vorhin gar nicht aufgefallen. Am nächsten Stand merke ich, dass aus den gefühlten zwanzig Minuten doch zwei Stunden geworden sind.

Was, Jo, die Länge soll nur 6b sein?

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So oder ähnlich läuft es meistens bei jeder neuen Länge ab, die wir produzieren. Aber zurück zum Anfang: es ist Juni, Jo sitzt in Wien, ich in Klagenfurt und das Wetter ist ziemlich unsicher angesagt. Was also tun? Treffen wir uns doch in der Mitte. Das ist der Hochschwab. Und was ist der beste Fels im Hochschwab? Richtig, die Schartenspitze. Wenn man sich das allerdings jahrelang denkt, kennt man irgendwann alle Routen. Also muss mal wieder eine Erstbegehung an der Schartenspitze her. Aber natürlich eine möglichst alpine. Vollbepackt mit ziemlich vielen Friends, Haken und die Bohrmaschine (natürlich nur für den Notfall) keuchen wir den steilen Zustieg rauf. Kurz vor der Wand studieren wir noch mal unsere anvisierte Linie. Irgendwie schaut diese aus der Nähe betrachtet gar nicht mehr so gut aus. Eigenartige Linienführung, der Fels auch nicht so perfekt. Hm, was tun? Aber schau mal, da gleich rechts der Schinko schaut der Fels doch eigentlich lässig aus! Und oben, links vom Hauseggerriss, ganz schön steil und sicher bockhart. Also schnell mal unsere alpinen Ambitionen über Bord geworfen und rein ins Raufbebohren!
Und tatsächlich, die Linie löst sich schön auf. Das Erste Mal, das etwas leichter ist als gedacht! Eigentlich geht alles während der drei Einrichttage fast schon enttäuschend glatt ab. Jedenfalls glatter als bei der Rotpunktbegehung. Dort hab ich nämlich einen ganz schönen Bock gerissen. Selbst Schuld, wenn man beim Einrichten einen tot(!)sicheren Friend hinter eine große Schuppe legt, die dann der Seilpartner mit zwei Hammerschlägen gegen Tal befördert. Übrig bleibt ein ziemlich weiter Bohrhakenabstand, den ich eben auch gleich ausnütze. Heute ziert ein zusätzlicher Normalhaken diese Stelle.
Übrig bleibt eine gar nicht schlechte alpine Sportkletterei, die über weite Strecken mit Bolts abgesichert ist. Der Fels ist fast überall gut, nur an den leichten Stellen in der Nähe der zwei Bänder etwas brüchig. Um Freude an der Tour haben zu können, sollte ein 6c trotzdem recht sicher beherrscht werden. bohrnografie.jpg
Bei aller Freude über die neu gewonnenen schönen Klettermeter kann ich mich trotzdem nicht ganz des Gefühls erwehren, dass so eine Bebohrung irgendwie was Pornografisches an sich hat. Oder waren es doch unsere Gesprächsthemen am Zustieg, die uns auf den Namen der Route gebracht haben?
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